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Hyperparasitismus

Dr. Martin Helmkampf | 02/07/2009 | 22:13

Was viele längst geahnt haben: der Parasit ist die häufigste Lebensform auf Erden. Schätzungsweise vier Fünftel aller Arten leben auf Kosten Anderer, ohne zunächst für deren Ableben zu sorgen. Die Abgrenzung zwischen Parasiten und “echten” Räubern (die ihre Beute sofort erlegen) ist allerdings subtil. In der Grauzone dazwischen gibt es Raum für jeden Menge realen Horror: So genannte Parasitoide töten ihren Wirt erst am Ende einer parasitischen Entwicklungsphase, während der sie sich vom Gewebe ihres noch lebenden Opfers ernähren — lebenswichtige Organe werden dabei möglichst lange verschont. Besonders häufig ist diese Lebensweise unter parasitischen Wespen anzutreffen, die ihre Eier auf dem meist betäubten Wirt ablegen oder mit Hilfe ihres Legestachels direkt in den Körper injizieren (dieser Legestachel ist bei den sozialen Bienen, Wespen und Ameisen zu einem Giftstachel umgebildet worden). Bei manchen Arten entwickeln sich Dutzende von Larven in einem Wirt, den sie, nachdem dieser seinen Dienst getan hat, erst zur Verpuppung verlassen …

Brackwespen

(Brackwespen-Kokons auf Schmetterlingsraupe, via Flickr by Alex Popovkin)

Diese alptraumhafte Strategie hat längst Eingang in die Film- und Computerspiel-Kultur gefunden: Ich denke da an Alien, Halo oder Half-Life. Doch was immer sich Drehbuchautoren oder Spieledesigner ausdenken mögen, der Einfallsreichtum der Natur ist nicht zu überbieten. Auch nicht in puncto Alptraumhaftigkeit — ein verblüffendes Beispiel:

Die Weibchen der parasitischen Wespenart Pseudogonalos hahni (Familie Trigonalyidae) legen ihre Eier auf geeigneten Pflanzen ab, so dass sie von bestimmten Schmetterlingsraupen mit der Nahrung aufgenommen werden. Der Magensaft der Raupen leitet die Entwicklung der Larven ein. Diese durchbohren den Raupendarm und durchstreifen das Gewebe auf der Suche nach einer Schlupfwespen-Larve, die selbst als Primärparasit in der Raupe lebt. Die Pseudogonalos-Larven dringen daraufhin in die Schlupfwespen-Larve ein, üben sich aber zunächst in Zurückhaltung. Erst wenn die Schlupfwespen-Larve ihre Entwicklung beendet, die sterbende Raupe verlässt und sich verpuppt, beginnen sie die ihrerseits sterbende Schlupfwespen-Larve vollends auszusaugen. Die stärkste Pseudogonalos-Larve kannibalisiert schließlich ihre Geschwister, verpuppt sich selbst, und verlässt den Kokon der ausgelaugten Schlupfwespe als ausgewachsenes Insekt.

Dieser Lebenszyklus ist ein extremes Beispiel für Hyperparasitismus, also die Parasitierung eines Parasiten. Vielleicht findet sich für dieses Wort ja Verwendung im Kontext menschlichen Zusammenlebens.

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